Video: Organ Craftsmanship … intangible cultural heritage

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https://youtu.be/r9fRf5MeO8Y

Die Orgel, der Orgelbau und die Orgelmusik wurden vor mehr als 2.000 Jahren im hellenistischen Ägypten erfunden und gelangten über Byzanz ins Frankenreich, wo sie seit der Karolingischen Renaissance als Kulturgut bis in die Gegenwart entwickelt und gepflegt werden. Im Orgelbau verbinden sich von jeher Wissen im Umgang mit der Natur und traditionelles Handwerk mit innovativer Technik der jeweiligen Epoche. Für jedes Gebäude – seien es Kirchen, Konzertsäle oder Salons, etc. – wird unter Berücksichtigung der akustischen Gegebenheiten des Raums und der finanziellen Ressourcen der Auftraggeber ein individuelles Instrument geschaffen. Damit unterscheidet sich die Orgel von den meisten anderen Musikinstrumenten mit natürlicher Klangerzeugung, deren Weiterentwicklung im Laufe der Zeit aufgehört hat.

Tradition und Innovation bestimmen auch die Entwicklung der Orgelmusik, indem Komponisten die jeweiligen stilistischen Merkmale einer Epoche auf das Instrument adaptieren. Dabei scheint bei aller Ausarbeitung des Notentextes auch immer das Moment des Improvisatorischen durch, das von jeher ein Merkmal des Orgelspiels ist. Zwischen den Entwicklungen im Orgelbau und in der Orgelmusik ist immer eine kreative Wechselwirkung zu konstatieren, wobei nur selten zu klären ist, ob ein Orgelbauer durch seine Instrumente Komponisten oder ein Komponist mit seinen Werken Orgelbauer beeinflusst hat.

Besonders vielgestaltig zeigt sich die Situation in Deutschland, die geprägt ist durch seit dem Barock historisch gewachsene, regional schattierte Orgellandschaften (nord-, mittel-, süddeutsch). Die besonders reiche und lebendige Kultur des Orgelbaus und der Orgelmusik zeigt sich heute mit bundesweit 50.000 Orgeln, 400 handwerklichen Orgelbaubetrieben mit ca. 1.800 Mitarbeitern und 180 Lehrlingen sowie 3.500 hauptamtlichen und zehntausenden ehrenamtlichen Organisten. Neben verschiedenen lokal- und regionalspezifischen Orgelbaustilen gibt es eine reichhaltige Bandbreite der Komposition und Aufführungspraxis sowie Möglichkeiten der Ausbildung für Orgelmusiker an Hochschulen und kirchlichen Einrichtungen. Die Pflege der Orgelkultur ist eine transkulturelle Kulturform mit hoher Kunstfertigkeit, die in Deutschland eine wichtige Basis hat und in äußerst lebendiger Weise weitergegeben wird.

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The nurture of organ culture in Germany is particularly rich and lively. Moreover, it is characterised by a high degree of artistic capability. In the field of organ construction knowledge of dealing with nature, traditional handicraft and innovative technology have always gone hand in hand. Every organ is adapted to the acoustic conditions of the room in which it stands – be it a concert hall, church or salon – and is thus a unique specimen. The regionally shadowed organ landscape which, historically speaking, has been growing since the Baroque era, still characterises Germany today. There has always been a creative mutual influence between the developments in organ construction and in organ music. A rich array of composition and performance practices as well as manifold educational opportunities for organists at institutes of higher education and in church institutions also characterise the organ landscape in Germany. The culture of organ construction and organ music presents itself today in the shape of, nationwide, 50,000 organs, 400 organ constructing companies with ca. 1,800 employees, 180 apprentices and 3,500 professional and tens of thousands of honorary organists. The nurturing of organ culture is a cross-state art and crafts form which has an important basis in Germany and is being handed down continuously.

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